Luis Ake "Bitte Lass Mich Frei" Release Show – Karlsruhe

Luis Ake "Bitte Lass Mich Frei" Release Show – Karlsruhe
Sonntag | 8. Dezember 2019 | 20:00 Uhr


mit IUMA (Köln, live) & Sergio Gil (Pontevedra/Karlsruhe, DJ)

Luis Ake ist zurück. Nach Auftritten in Paris und Moskau ist er wieder in der Fettschmelze, seiner Wahlheimat wo alles begann. Im Gepäck hat er sein neues Album „Bitte Lass Mich Frei”. Jetzt auf Deutsch und intensiver denn je zuvor. Dabei erhält er Unterstützung von der aufstrebenden Urban Pop Künstlerin IUMA aus Köln und Sergio Gil (ßcape the gravity), der vor, zwischen und nach den Konzerten passende Platten zum Abend auflegen wird.

IUMA
Sie bricht mit Klischees und zeigt durch ihre Musik, dass es für Frauen in der Popmusiklandschaft keine Grenzen gibt. Künstlerinnen wie Summer Walker, SZA, Teyana Taylor, oder FKA Twigs inspirieren IUMA zu einzigartigen Melodien und dem Mut, ihre Gefühle ehrlich und clever in Modern R’n’B und Hip Hop zu verpacken. So sind Selbstbestimmung und Empowerment auch immer wiederkehrende Themen. „Ich bin emotional und will das auch zeigen. Ich bin stark und schwach und will die sein können, die ich bin”, so IUMA

Luis Akes’s Debut Album „BITTE LASS MICH FREI“:

Wer ist dieser Typ? Wer ist dieser Wahnsinnstyp? Der auf seiner letzten EP lässig Trap aus dem Ärmel schüttelt und jetzt der Neuen Deutschen Welle huldigt, als hätte er nie etwas anderes gemacht und sodass wir nie mehr etwas anderes hören wollen? Dem Paris zu Füßen liegt, der nackt in der hessischen Rhön im Wald schläft, der von schillernden Mädchen singt und die Traurigkeit nicht nur umarmt, sondern direkt mit ihr in den Club geht und die Nacht durchmacht?

Ich sage euch: Das ist der Typ, den Popdeutschland ganz, ganz dringend braucht. Der Musik macht, für, wie er es selbst ausdrückt, „junge Hipster mit drahtlosen Apple-Kopfhörern und großen weißen Sneakern als auch für 40-jährige Goths, die immer noch El Deux hören.“ Der Musik macht für dich, dich und dich auch. Er macht Musik für Schlagerfans, für die durchtanzte Nacht, und für den Sonntagnachmittag danach.

Luis Ake ist dieser Typ, aus fucking Stuttgart kommt er zu allem Überfluss auch noch. Und er knallt uns ein Album um die Ohren, das so kalt ist wie der klirrende Winter in dem er diese Songs aufnahm. Denn natürlich ist Bitte Lass Mich Frei im Winter geboren, in einem Hinterhofloch ohne Heizung, wie könnte es denn anders sein. Denn wer braucht schon eine Heizung, wenn er Liebeskummer hat? Ja, das Album entstand im Nachgang einer Trennung. Und so beschreibt es auch alle Phasen des Wahnsinns: Einsamkeit, geistloser Sex, Schuldzuweisung, Sehnsüchte und so weiter und so fort, ad infinitum. „Bitte lass mich frei / ich bin so allein“, wie es auf dem Titelstück des Albums heißt, das ist nicht nur eine Klage, das ist auch sein zentrales Versprechen. Denn ob es diese Trennung nun wirklich gab oder nicht, ist auch irgendwie egal. „Ich mache eh immer nur Musik, wenn ich traurig bin“, erzählt er, „ich lege die Trauer in der Musik ab und konserviere sie.“ Die ewige erfolglose Suche nach Glück. Man kennt. Und genau deswegen trifft uns Luis Ake so mitten ins Herz: Er versteckt sich nicht. In Songs wie Zimmer ohne Tür, Zurück und dem Titelsong Bitte Lass Mich Frei macht er sich emotional nackt, wie man sich selbst nie traut. Und es zieht sich ein Frösteln ums Herz.

„Eine starke Emotion schreibt ein Arrangement fast von alleine und bildet die Seele des Liedes“, sagt Ake, „meist entstehen die Grundzüge eines Songs in 20 Minuten.“ Er schreibt seine Tracks ganz ohne den Computer, sondern nur mit einem Sequenzer, einigen Synthesizern, hier und da blitzt auch ein echtes Saxophon und eine Gitarre auf. Alles Equipment, das er über Jahre angesammelt hat, und mit dem er alles selbst aufnimmt. Das Ergebnis sind reduzierte Arrangements, in denen er seine Stimmen von den tiefsten Tiefen in die höchsten Höhen jagt, wie zum Beispiel auf Rotmilan oder der Single Schillerndes Mädchen, einem Wahnsinn von einem Popsong, der nach zwei Minuten Falsetto in eine Grauzone-eske Geisterbeschwörung kippt. Aber in sexy. Irgendwie.

Überhaupt, was Luis Ake hier abliefert ist das seit Jahrzehnten dringend überfällige Update der NDW, gepaart mit der fundamentalen Kargheit russischer New Wave-Bands wie Motorama und dem Synth-Pop-Projekt лето в городе, ein wenig Detroit in Effect-inspirierter Club-Attitüde und einem großen Verständnis für die emotionale Popgeste, irgendwo zwischen Marianne Rosenberg, Neil Young, und dem depressiv erfolglosen Joachim Witt der Achtziger. “Alles ist einfach immer nur mittelmässig, nie mal einfach gut”, beschreibt Ake seine Sicht aufs Leben, nicht ohne ein Augenzwinkern. Nachdem man dieses Album gehört hat, möchte man einwerfen: Nicht alles, Luis, du nämlich nicht.

– Aida Baghernejad


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